OSB vs. ESB im Vergleich
Beim Hausbau, bei der Renovierung oder Sanierung fragen Sie sich, was sich besser für Ihre Zwecke eignet: OSB- oder ESB-Platten? Dieser Ratgeber setzt OSB und ESB im Vergleich, sodass Sie entscheiden können, welche Platten Sie am besten wo verwenden.
Was sind OSB-Platten?
In den 1950er, 1960er und 1970erJahren forschten verschiedene Forscherteams in den USA und Kanada daran, eine Platte mit den gleichen technischen Eigenschaften wie Sperrholz herzustellen. Dabei sollte schnell wachsendes Holz mit geringem Stammdurchmesser verwendet werden. Auch Europa beteiligte sich an den Forschungen. Erste kommerzielle OSB-Platten tauchten in den 1970er-Jahren auf.
OSB-Platten („Oriented Strand Board“-Platten) bestehen aus langen, schlanken, ausgerichteten Spänen (OSB). Vorläufer der OSB-Platten waren die Waferboards. Bei deren Herstellung wurden quadratische Späne zufällig und ohne Ausrichtung gepresst. Im Gegensatz dazu verwenden die Hersteller von OSB-Platten getrocknete, lange, schlanke Holzspäne (Strands), die zuvor aus entrindeten Stämmen geschnitten werden. Die Verleimung erfolgt im Produktionsprozess mit Kunstharzen. Die Späne werden ausgerichtet (orientiert) und anschließend mit Hitze und Druck verpresst. Kunstharze enthalten oft Formaldehyd sowie weitere flüchtige Inhaltsstoffe (VOC). Zu diesen gehören Hexanal und Terpene. Diese Bindemittel sind für den unangenehmen Geruch der OSB-Platten verantwortlich, denn sie gasen aus und belasten die Raumluft. Auswirkungen auf die Gesundheit können nicht ausgeschlossen werden. Deshalb sollten Räume, in denen OSB-Platten verbaut wurden, ausreichend gelüftet werden. Reagieren Sie empfindlich auf flüchtige Stoffe, sollten Sie auf beschichtete und versiegelte OSB-Platten zurückgreifen oder schadstoffärmere ESB-Platten verwenden.
Was sind ESB-Platten?
ESB steht für „Elka Strong Board“. Im Gegensatz zu den dreischichtigen OSB-Platten bestehen diese Spanplatten nur aus einer Schicht. Die vom Morbacher Unternehmen Elka-Holzwerke GmbH entwickelte Spanplatte ist die nachhaltige und wohngesunde Alternative zu den weitverbreiteten OSB-Platten, denn die Herstellung der geruchsfreien Platten erfolgt emissionsarm. ESB-Plus-Platten wurden im Jahr 2021 als erste Holzwerkstoffplatten auf dem deutschen Markt aufgrund ihrer Klimaneutralität zertifiziert. Zudem besitzt die ESB-Platte einen Blauen Engel und erhielt aufgrund des niedrigen Schadstoffgehalts eine Auszeichnung vom Sentinel-Haus-Institut. Denn die Platte hat einen Formaldehyd-Wert von unter 0,03 ppm (parts per million). Die flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) sind um drei Viertel geringer als bei OSB-Platten. Zusätzlich ist die ESB-Platte QNG-ready und für die KfW-Neubauförderung zugelassen.
Bei der Produktion kommen frisch verarbeitete, harzarme Fichtenhackschnitzel aus nachhaltiger Forstwirtschaft zum Einsatz. Der Hersteller verbindet diese mit einem melaminhaltigen, isocyanatfreien Harnstoffleim (MUF). Zudem sind ESB-Platten recyclingfähig.
Festigkeit und Belastbarkeit im Vergleich
OSB-Platten der Qualitätsstufen OSB/3 und OSB/4 besitzen eine hohe Biegefestigkeit in der Hauptachse, jedoch eine deutlich schwächere in der Querachse. Dagegen ist sie bei ESB-Platten gleichmäßig (isotrop).
Zudem ist die Querzugsfestigkeit für die Prüfung der Belastbarkeit von OSB- und ESB-Platten relevant. Ist sie gering, delaminiert die Platte. Die Verleimung gibt nach und die Platte bricht in der Mitte ihrer Dicke auf. Ist die Querzugfestigkeit hoch, bleibt die Platte auch unter Zugbelastung kompakt. Die Querzugsbelastung ist bei OSB-Platten gut. Sie sind jedoch anfälliger für die Schichtentrennung, wenn sie überlastet werden. Bei der Querzugfestigkeit punkten abermals die ESB-Platten, denn die Querzugfestigkeit übersteigt die der OSB-Platten (OSB/3) um vierzig Prozent.
Relevant für die Belastbarkeit ist zudem das Elastizitätsmodul (E-Modul). Dieses beschreibt die Steifigkeit des Materials. Je höher das E-Modul ist, desto steifer ist das Material. Es braucht viel Kraft, um es zu verbiegen. Besitzt das Material ein niedriges E-Modul, verformt es sich bereits bei geringem Kraftaufwand. OSB-Platten sind in Längsrichtung extrem steif, aber in Querrichtung nur halb so steif. Dieser Fakt wirkt sich in der Praxis auf die Verlegetechniken der Platten aus. ESB-Platten sind insgesamt sehr formstabil und können deshalb in alle Richtungen verlegt werden.
Im Vergleich zu den OSB-Platten sind ESB-Platten fester und stabiler und können stärker belastet werden.
Feuchtigkeitsbeständigkeit und Einsatzbereiche
Die Feuchtigkeitsbeständigkeit von OSB- und ESB-Platten bestimmt, in welchen Bereichen sie eingesetzt werden können. Denn in modernen Wandaufbauten ist es wichtig, dass eintretende Feuchtigkeit wieder entweichen kann. Diesen Vorgang bezeichnen Fachleute als Rücktrocknung. Hier liegt der Vorteil wieder eindeutig bei den ESB-Platten, denn ESB-Platten sind diffusionsoffener als OSB-Platten, die durch ihre Dichtigkeit wie eine Dampfbremse wirken. ESB-Platten bieten einen besseren Schutz vor Bauschäden und Schimmelbildung.
Sie eignen sich daher für ökologische Außenwände, bei denen das Ziel ist, dass die Feuchtigkeit von innen nach außen entweicht. ESB-Platten quellen weniger auf als OSB-Platten, weshalb sie sich ebenso für Küchen- und Bad-Unterkonstruktionen eignen. OSB-Platten finden auf dem Bau andere Einsatzbereiche, beispielsweise bei Wandkonstruktionen, die als Dampfbremse fungieren sollen. Diese Verwendung von OSB-Platten ist jedoch stark umstritten.
Wann eignet sich OSB, wann eignet sich ESB?
Beide Plattenarten sind auf dem Bau gefragte Materialien. OSB-Platten finden bei Dachschalungen ihren Einsatz. Zudem eignen sie sich aufgrund ihrer enormen Biegefestigkeit in Längsrichtung, um große Abstände zwischen Sparren zu überbrücken. Standard sind sie bei der Wandaussteifung, denn die Platten bringen die nötige Steifigkeit ins Ständerwerk. Zudem eignen sich die Platten, wenn Sie mit OSB eine Wand verkleiden möchten.
Außerdem kommt OSB für tragende Deckenbeplankungen, für Möbelgestelle sowie für den Fußbodenaufbau in Betracht. Weitere Einsatzgebiete sind der Laden-, Bühnen- und Messebau. Zudem werden aus OSB Paletten, Kisten und Verpackungen hergestellt. Zusätzlich dienen sie in Lofts als Füllungen für Schiebetüren, denn die grobe Struktur der OSB-Platten passt hervorragend zum Industrial-Style.
Außer in Feuchtbereichen eignen sich ESB-Platten für die Boden-, Wand- und Deckenbeplankung. Im Fahrzeugbau schätzen Hersteller von Campern, Transportern und Anhängern die Eigenschaften der ESB‑Platten. Dabei geht es darum, dass die Platten Vibrationen und wechselnde Luftfeuchtigkeit aushalten. Hier punktet ESB mit seiner isotropen Festigkeit. Zudem halten aufgrund der höheren Rohdichte und der feineren Struktur Schrauben in ESB-Platten besser als in OSB-Platten. Obendrein quellen sie bei hoher Luftfeuchtigkeit weniger auf, was beim Kochen im Camper seine Vorteile hat. In Fahrzeugen werden sie überdies als Trägerplatte für den Boden und für Seitenverkleidungen verwendet.
Verarbeitung und Handhabung
ESB- und OSB-Platten lassen sich mit gängigen Holzbearbeitungsmaschinen bearbeiten. Vorsicht ist jedoch bei OSB als Werkstoff angebracht, wenn die Sägeblätter stumpf sind, denn es besteht die Gefahr, dass die großen Späne (Flakes) an den Schnittkanten ausbrechen.
Besser ist das Säge-Ergebnis bei ESB, denn aufgrund der feinen Späne ist das Schnittbild sauberer. ESB neigt nicht zum Ausreißen.
ESB-Platten weisen keine großen Hohlräume zwischen den Spänen auf. Deshalb halten Schrauben in ESB-Platten besser als in OSB-Platten. Bei Letzteren kann es vorkommen, dass Sie die Schraube direkt in eine Lücke zwischen zwei großen Spänen schrauben und sie dadurch schlechter hält. Arbeiten Sie nah am Rand, sollten Sie bei beiden Plattenarten vorbohren.
OSB-Platten eignen sich zum Nageln mit einem Druckluftnagler. Verwenden Sie ESB-Platten, müssen Nagellänge und Nageldicke auf die höhere Härte abgestimmt sein.
Beim Schleifen haben ESB-Platten wieder die Nase vorn. Dabei entsteht eine glatte, samtige Oberfläche, die sich gut lackieren lässt. Die Platte nimmt das Öl gleichmäßig auf und behält ihre helle Optik.
OSB-Platten zu schleifen, ist ungleich schwieriger, denn es kann vorkommen, dass sich Späne ablösen und die Oberfläche uneben bleibt. Lackieren Sie die Platten, verbrauchen Sie, bedingt durch die Poren, mehr Lack.
Bearbeiten Sie OSB-Platten, sollten Sie unbedingt Handschuhe tragen, denn an ungeschützten Kanten besteht Splittergefahr. Bei ESB-Platten ist diese gering, weil die Oberfläche geschlossen und deutlich glatter ist.
Um die Platten zu verbinden, erhalten Sie online oder im Baumarkt beide Plattenarten mit Nut- und Feder-Profilen. Jedoch lassen sich ESB-Platten bündiger schließen, weil die Profile präziser gefräst sind. Leimen Sie die Platten, empfehlen sich für ESB und OSB PU-Leim oder D3/D4-Holzleim.
Kosten und Verfügbarkeit
OSB-Platten sind immer die bessere Wahl, wenn es um geringe Kosten und Verfügbarkeit geht. Sie erhalten diese Platten in vielen Stärken und Formaten. Dagegen sind ESB-Platten teurer, weil sie bessere Eigenschaften besitzen und länger halten. Je nach Region und Hersteller sind sie jedoch schlechter verfügbar als OSB-Platten.
Foto: ©Zhanna / stock adobe
